Sin Sisters – Theaterstück

Sin Sisters wurde speziell für die Theatergruppe in der Psychatrie am LVR Klinikum Bochum geschrieben und 2016 am Jungen Schauspiel Bochum uraufgeführt. Es befasst sich mit den sieben Todsünden. Trägheit, Gier und Co werden hier jedoch als ganz menschliche Macken und Lebenskrisen verstanden, durch die wir alle dann und wann einmal gehen und am Ende wachsen.

Das Stück ist geeignet für große Theatergruppen. Ensembles, die interessiert daran sind, melden sich bitte bei mir.

Ausschnitt:

Erzähler/in: (während das Licht hochfährt und die Figuren sichtbar werden)
Es war einmal eine Frau, der war alles abhanden gekommen, was ihr lieb und teuer war. Der Mann und die Kinder hatten sie verlassen. Der Glaube an Gott und an sich selbst waren kurz darauf gegangen. – So lebte sie nun einsam und allein in dem kleinen Haus am Waldrand und führte ihr Leben mehr schlecht als recht. Sie stand morgens auf, aß, arbeitete und legte sich abends wieder schlafen. So ging es tagein, tagaus und immer gleich und das seit Jahren.

Figuren:
Es gibt immer einen Grund.
Immer?
Für alles!
Keiner ist grundlos allein.
Oder von ganz allein niedergeschlagen.
Keiner wird aus niederen Beweggründen vom Schicksal geschlagen.
Beweggründe? … Tja. – Wenn es nur einen wirklichen Grund gäbe, sich zu bewegen.
Es gibt immer einen Grund.
Für alles.
Ach ja?
Ja. Nur musst du erst ganz am Grund sein.
Erst ganz unten, am Grund, kannst du dich abstoßen.
Ganz unten. – Tief unten. – Im Tal. Quasi.
An der Talsohle.
Am Absatz des Lebens.
Da wo die Scheiße hängen bleibt.
Wo es stinkt.
Und klebt.
Ganz unten.

(Pause)

Warum sollte es einen Grund geben, sich vorher schon zu bewegen?
Ich kann mich nicht erinnern. Ist schon so lange her.
Das es einen Weg gab.
Eine Bewegung.
Ein Erinnern.
Ein Inneres.
Ein Gefühl für was.
Für irgendwas.
Heute fühle ich mich faul.
Träge.
Irgendwann war das mal anders.
Das mit der Trägheit.
Gestern. Vielleicht.
Oder vorvorgestern.
Damals halt.
Da habe ich mich noch bewegt.
Da habe ich mich noch erinnert.

Ich habe mich erinnert an Träume. Zum Beispiel den, in dem ich auf einem Berg stehe, die Arme ausbreite und dann losfliege. Einfach so, als wären meine Arme Flügel und keiner würde das in Frage stellen.

Ich habe mich erinnert an den Moment, als ich meinen Vater das erste mal weinen sah. Es war fürchterlich kalt an diesem Tag und meine Freundin hatte mir ihre Mütze geliehen. Die, die ich immer so toll fand, mit dem Pelz dran.

Ich habe mich erinnert an diese Party, zu der ich meine neue Hose angezogen hatte. Ich sah so toll aus und hoffte darauf, von dem Jungen aufgefordert zu werden, in den alle aus meiner Klasse verliebt waren. Es lief gerade „I´m sailing“ von Rod Stewart.

Ich habe mich erinnert an den Moment, an dem mir in der Kirche ganz übel wurde von dem Weihrauchgeruch. Die Übelkeit stieg so ganz langsam von unten in den Hals hinauf und dann habe ich auf die Holzbank vor mir gekotzt und der Geruch der Kotze vermischte sich mit dem Geruch des Weihrauchs und dann ist mir noch schlechter geworden als vorher schon, aber mein Magen war leer und ich konnte nur noch würgen, ohne das noch etwas aus ihm herauskam.

© Alle Rechte bei der Autorin, 2014

Foto: Probenfoto, © Anklam

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